Kommunionkinder und Katecheten auf Entdeckungstour im Hildesheimer Dom

Einen begeisterten Stoßseufzer konnten wir von Benjamin beim Betreten des St. Mariä Himmelfahrt Doms in Hildesheim hören: “Mann, ist das cool.“ Das ist wohl das Äußerste an Bewunderung, das ein Drittklässler beim Anblick dieses 1000 Jahre alten, nun im neuen Gewand hell und lichtvoll erstrahlenden, UNESCO Weltkulturerbes sagen konnte. Aber auch wir Katechetinnen standen wie angewurzelt vor diesem in seiner Schlichtheit und romanischen Strenge beeindruckend feierlichen Raum.


Nach einer gitarrenbegleiteten gesungenen Begrüßungsrunde konnten die 14 Kinder und ihre Katechetinnen aus Hambühren/Wietze/Winsen sich auf einen eigenen Entdeckungsweg in den Dom begeben. Mit großer Entdeckerlust schwärmten die Kinder aus, einige mit Handys zum Fotografieren ausgerüstet, aber alle ganz neugierig unterwegs. Eine viertel Stunde blieb den Kindern und dann erzählten sie mit strahlenden Augen, wieviel unglaublich schöne Dinge sie gesehen hatten. Liwia hatte bereits alles sorgfältig mit ihrem rosa Handy im Bild festgehalten.

Kommunionkinder vor der Bernwardstür

Nun traf die Domführerin ein und wir versammelten uns alle an der Westseite im Dom vor der großen bronzenen Bernwardstür. Wie eine Schutzwand erschien sie den Kindern und sie durften raten, wie schwer und groß sie ist: fast fünf Meter hoch und so schwer wie zwei Autos. Dass sie Schutz bieten sollte, das zeigten auch die beiden bewachenden Löwenköpfe aus Bronze an den Griffen der Tür, die den Kirchenraum vor allem Bösen schützen sollten. Mittelalterliche Kunst war ja ohne Tierfiguren und Fabelwesen kaum vorstellbar. Aber nicht nur durch die Größe, sondern vor allen Dingen durch die 16 figürlich dargestellten Bildergeschichten des Alten und Neuen Testaments war die Tür zu ihrer Entstehungszeit im Mittelalter schon einzigartig. Die Kinder entdeckten erstaunlich viele biblische Geschichten: die Erschaffung des Menschen, den Brudermord des Kain an Abel, die Geburt Jesu, seine Kreuzigung und Auferstehung. Ein Kind erzählte im Weitergehen, wie schön alte Dinge sind, viel schöner als neue, weil sie Geschichten erzählen...


An dem großen bronzenen Taufbecken im Eingangsbereich der Kirche staunten alle, dass der Taufdeckel so schwer ist, dass er nur mit einer Seilwinde, die aus großer Höhe aus einem Loch in der Kirchendecke herabgelassen wird, hochgehoben werden kann. Und wir erfuhren, dass auch hier die Bronzefiguren Geschichten erzählen vom Wasser der Taufe, in das die Menschen im Mittelalter untergetaucht wurden, um erst dann in den Kirchenraum als Christen eingelassen zu werden.

Unter dem großen Radleuchter blieben wir stehen und erfuhren, dass er mehr als sechs Meter im Durchmesser hat und das größte Goldschmiedekunstwerk des Mittelalters ist, ein Symbol des Himmlischen Jerusalems mit seinen zwölf geöffneten Toren und 72 Kerzen. Das muss schön aussehen, sagte ein Mädchen an meiner Seite, wenn all die Kerzen in der dunklen Kirche leuchten.


Ein Kommunionkind vor dem Godehardschrein.Der Weg führte über die Tintenfassmadonna, die das Jesuskind mit einem Federkiel im Arm hält – als Symbol seiner göttlichen Weisheit – nun zur Christussäule oder auch Bernwardssäule genannt. Diese ist so kunstvoll, dass ein Nachbau heute auch mit allermodernsten Mitteln sehr schwer fiele. Wir bewunderten auch hier die Szenen aus dem Leben Jesu: Taufe, Wundertaten und Einzug in Jerusalem.


Eine letzte Station war der Godehardschrein in der Krypta. In diesem alten Schrein aus dem Mittelalter, der wie ein prächtiger Palast aussieht, der mit Gold und Edelsteinen geschmückt ist, liegen die Gebeine des Hl. Godehard. Eines der Kinder fragte, warum der Sarg so klein sei und mit ehrfürchtigem, leichtem Gruseln erfuhren sie von der Kirchenführerin, dass von dem Bischof Godehard ja nur noch die Knochen übrig seien, die in kostbare Stoffe eingeschlagen, hier hineingelegt worden sind.


Aber mit diesem ernsten Eindruck sollte unsere Führung nicht enden und so gingen wir nun trotz strenger Kälte zum Rosenstock, dessen Legende wir noch im Schutz der Krypta hörten. Der Ritter Ludwig soll ein Stück des Mantels der Gottesmutter auf der Jagd bei sich getragen und zwischen den Blüten einer wilden Heckenrose vergessen haben. Er hatte es dort zur Feier einer Messe aufgehängt. Als er an den Ort zurückkehrte, um es zu suchen, ließ es sich nicht mehr vom Rosenstrauch entfernen. Darin sah Ludwig der Fromme, der Nachfolger Kaiser Karls des Großen, ein göttliches Zeichen und ließ zur Ehre der Mutter Gottes dort eine Kapelle bauen. Nach dem Krieg schlug der Rosenstock wie durch ein Wunder aus den Trümmern heraus neu aus. In eisiger Kälte betrachteten wir den winterlich kahlen Rosenstock. Vögel haben Nester darin gebaut, Eulen nisten dort und wenn er im Mai wieder blüht, wird er duften wie schon vor 1000 Jahren.


Blick auf den RadleuchterIn der Sakramentskapelle dankten wir mit einer kleinen Andacht, die uns in Gedanken zur bevorstehenden Kommunion führte, für den schönen Tag.
Den Abschluss bildete ein opulentes Mal im Magdalenenhof, bei dem wir noch zahlreiche begeisterte Äußerungen von den Kommunionkindern über den coolen Dom hörten. Wir Katechetinnen sind uns einig, dass ein Ausflug für die Gemeinde angeboten werden sollte, damit alle in der kargen Diaspora vom äußeren und inneren Reichtum ihres Glaubens erfahren.

Christa Zielke

(Alle Fotos privat)