Noch immer Kirchenasyl in Winsen?

Seit März 2018 hat eine junge irakische Familie Kirchenasyl von der Pfarrgemeinde Hl. Schutzengel in den Räumlichkeiten des Kirchenstandortes Hl. Kreuz in Winsen erhalten.

Seitdem ist die Familie sehr eingeschränkt untergebracht. Doch jetzt zeichnet sich eine Besserung ab.

Was ist in Winsen los? Die Familie befindet sich immer noch in der Kirche. Warum sind sie dort weiterhin zu Gast, so beengt in dem einen Raum zu viert, ohne Duschmöglichkeit, ohne Waschmaschine?

Ja, die Familie, der Vater, die Mutter und die zwei Kinder 5 Jahre und 2 Jahre, sind dank der großherzigen Entscheidung der Patres als Gäste weiterhin in der Hl. Kreuz Kirche in Winsen. Pater Miroslaw hat in einem Augenblick, in dem wir Unterstützer im Netzwerk nicht mehr weiter wussten und die Familie verzweifelt darüber war, nach Osnabrück zurück zu müssen, wo sie hier in Winsen zum ersten Mal nach der Flucht Sicherheit, Freunde und große Unterstützung erfuhren, entschieden: „Was wir gut begonnen haben, das führen wir auch gut zu Ende.“ Von nun an konnte die Familie das Gastrecht der Kirche genießen.

Unser Anwalt, Jan Zielke, hat alles versucht, um eine notwendige Umverteilung nach Winsen bei den Behörden zu erreichen, denn davon hing es ab, ob wir eine Wohnung anmieten konnten, ob der dringend notwendige Besuch im Kindergarten möglich war, ob die Arztbesuche und die Therapien hier in Winsen genehmigt würden.

Wir haben weiterhin täglichen Deutschunterricht organisiert, was immer zugleich hieß, dass die Kinder in diesem Zeitraum abgeholt und anderweitig sinnvoll beschäftigt werden mussten.

Es gab eine Krisensituation, wonach die Kontakte zu den irakischen Freunden abbrachen und wir noch intensiver versuchten, täglich an der Seite der Familie zu sein. Es gab Menschen aus der Nachbarschaft der Kirche, die der Familie freundlich begegneten, Besuche und freundliche Begegnungen zwischen der Seniorengruppe und anderen Kirchenmitgliedern. Therapien für die traumatisierte Mutter wurden weiterhin von Schwester Ancilla, einer Vinzentienerin, Ärztin und Therapeutin, geleistet, die extra aus Hildesheim zu Sitzungen in die Kirche kam.

Die Eltern konnten sich nach Beendigung des Kirchenasyls frei bewegen, hatten auch eigenes Geld, um für ihren Lebensunterhalt und die Fahrten nach Osnabrück aufzukommen. Der Vater hielt den Garten in Ordnung, mähte regelmäßig die große Fläche und machte die Beete sauber. Die Frau war für den Innenbereich zuständig und hielt alles sauber und ordentlich, wenn Gruppen getagt hatten.

Die Zeit und die damit verbundenen Belastungen und Schwierigkeiten für alle Helfer, besonders aber für die betroffene Familie, fremd und mit großer Angst vor der Zukunft behaftet, war lang geworden, zu lang.

Es gab Menschen, die tatkräftig geholfen haben und Menschen, die uns im Gebet unterstützten. Beides zusammen hat nun zu einem für uns alle erfreulichen Ergebnis geführt.

Wir hatten nach guten Verhandlungen mit dem Bürgermeister die Zusage von der politischen Gemeinde Winsen, dass diese bereit sei, die Familie aufzunehmen. Die Umverteilung und die einhergehenden Verhandlungen mit dem BAMF haben sich dann noch einmal sehr schwierig gestaltet, aber seit dem 25. Oktober haben wir die offizielle Zusage, dass die Familie umverteilt ist. Die Kinder können nun im Kindergarten/Kinderkrippe angemeldet werden, die Eltern werden wie alle anderen Asylbewerber am angebotenen Unterricht teilnehmen können. Die Familie wird zur Ruhe kommen. Sie haben jetzt die Umverteilung nach Winsen. Das Interview beim BAMF und damit verbunden die erhoffte Zusage auf Asyl in Deutschland stehen noch aus. Die Mutter würde so gern in Deutschland in einem Seniorenheim arbeiten, weil sie die Arbeit mit alten Menschen liebt. Der Vater träumt davon, als Automechaniker arbeiten zu können.

Wir hoffen und beten für diese und alle Menschen, die nach Flucht und Vertreibung einen Neuanfang suchen. Wir wissen inzwischen, was Integration und notwendige Hilfe dazu erfordert.