Leben in einer abgeschlossenen Welt - Gefängnisseelsorge in Celle

Die "WIR"-Frauen hatten zu einem Informationsabend mit dem kath. Gefängnisdiakon in das Winser Pfarrheim eingeladen. Diakon Fleer ist im Celler Gefängnis tätig, wo rund 250 Gefangene einsitzen und in Salinenmoor, dort verbüßen derzeit rund 160 Häftlinge ihre Strafe. In Celle sitzen Häftlinge mit langen Haftstrafen und lebenslänglich Verurteilte ein, wohingegen in Salinenmoor Sträflinge mit Haftstrafen bis zu 4 Jahren verwahrt werden und daher die Fluktuation groß ist. Hier sind auch Freigänger untergebracht, Männer, die tagsüber einer geregelten Arbeit in Freiheit nachgehen und die Nächte im Gefängnis verbringen. Dies soll die Eingliederung in die Gesellschaft erleichtern.

 

Diakon Fleer ist mit einer halben Arbeitsstelle als Gefängnisseelsorger beschäftigt. Mit einer weiteren halben Stelle ist er in Wathlingen tätig. Diese Mischung ist ihm sehr wichtig, weil er die Tätigkeit in der Kirchengemeinde als Ausgleich und Abstand zu seiner Arbeit im Gefängnis braucht, denn das Arbeiten hinter Gittern und der Druck durch die stets notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und -vorschriften ist enorm. Jeden Monat halten der evangelische Seelsorger und Diakon Fleer abwechselnd einen Gottesdienst in der dortigen Kapelle, der von den Gefängnisbewohnern immer gut besucht wird. Gespräche finden danach oder in den Sprechstundenzeiten statt. Sein Büro liegt auf einem Zellengang mitten zwischen den Zellen und seine Bürotür steht für die Gefangenen offen. Gespräche mit den Insassen, der Kontakt zu den Familien, der Austausch mit allen Beteiligten im Gefängnis, mit den Beamten (früher Wärtern), Gefängnisleitung, Sozialarbeiter, Psychologe etc., PR Arbeit nach außen - die Aufgaben des Gefängnisseelsorgers sind vielfältig.

 

Leben im Gefängnis bedeutet Leben über einen langen Zeitraum in einer anderen, abgeschlossenen Welt. Das Crew der Insassen sind deutsche Männer, nur 3 % aller Gefangenen sind Frauen und ca. 35% sind Ausländer. Aber fast immer, nämlich über 80% der Häftlinge kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, aus zerrütteten Lebensgemeinschaften, sind als Kinder in Heimen aufgewachsen, haben keine bis geringe Schul- bzw. Berufsausbildung und ein langes Vorstrafenregister aufzuweisen. Eine Eingliederung nach verbüßter Strafe gestaltet sich oft schwierig.

 

Auch hier zeigt sich, dass privilegiert ist, wer behütet aufwachsen, Mitmenschlichkeit und Stärke im Glauben erfahren und eine gute Bildung und Ausbildung genießen darf. Ein Privileg, dass wir oft als selbstverständlich hinnehmen und nicht immer genügend zu schätzen wissen.

 

„WIR" danken Diakon Fleer für seinen umfassenden, informativen Vortrag in Wort und Bild und für das Gespräch.