Auf den Spuren der dunklen Vergangenheit in Bergen-Belsen

Am Samstag, dem 21.Mai 2011 trafen sich zehn Frauen aus der Hl. Kreuz Gemeinde zu einer Führung durch die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die dazugehörigen Orte.

Gedenkstein in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Herr Hartig von der VHS Celle begann seine Ausführungen vor der Kath. Sühnekirche in Bergen. Er erläuterte die Geschichte des Lagers Bergen-Belsen, die in fünf Abschnitte geteilt wird:

1935 – 1940 Heeresneubaulager am Rande des neuen Truppenübungsplatzes  
1940 Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, ab 1941 für sowjetische Soldaten, ca. 20.000 Tote durch Hungerpolitik/Fleckfieberepidemie
April 1943 Aufenthaltslager für so genannte Austauschjuden
August 1944 KZ Bergen-Belsen, Evakuierungstransporte aus anderen Lagern, Bahn/Todesmärsche, April 1945 bis zu 60.00 Häftlinge, ca. 35:000 Tote durch Seuchen/Hunger
15.04.1945 Befreiung durch britische Truppen, danach noch mehr als 13.000 Tote
1945 – 1950 DP-Camp Bergen-Belsen (displaced-persons = unerwünschte Personen), u.a. 9.000 jüdische Insassen warten auf eine Einreiseerlaubnis nach Israel

 

Sühnekirche in Bergen

Die Sühnekirche vom Kostbaren Blut wurde dem Gedenken an die Opfer ungerechter Gewalt aus allen Nationen und Konfessionen im Lager Bergen-Belsen geweiht. Der äußere Bau und die innere Ausstattung der Kirche weisen auf das Leiden und Sterben Jesu Christi hin, der in einer gefesselten Altarskulptur dargestellt wird. Christus, der selbst Haft, Verhöhnung, Unrecht, Leid und Tod erfuhr, geht solidarisch mit allen leidenden Menschen in ihr Gefängnis und in den Untergang. Die Kirche hat als Grundriss die Form eines Kelches, der sich zum ehemaligen Lager hin öffnet. Auf dem Altar, der die Form eines Grabes hat und so an die Massengräber des Holocaust auf dem Lagergelände erinnert, feiern wir das Opfer Christi, der sein kostbares Blut für uns vergossen hat, damit wir als Gottes Kinder leben können.

Der Weg führte uns weiter auf die Rampe der Verladestation, wo wir in einen Güterzugwaggon stiegen und der Kinder, Frauen und Männer gedachten, die hier auf unvorstellbar engem Raum zusammengepfercht aus allen Teilen Europas ankamen und ins Ungewisse abfuhren.

Von dort kamen wir zu einem Platz nach Neu-Hohne, zu den Resten einer im Wald gelegnen so genannten Entlausungsstation. Unvorstellbar, wie leidvoll und demütigend die Entlausung im Winter bei großer Kälte gewesen sein muss. Nach stundenlangem unbekleidetem Warten erhielten die Gefangenen die von der Desinfektion nasse und im Winter gefrorene Kleidung zum „Aufwärmen“ zurück. Krankheiten waren vorgezeichnet, man spricht von gewollter Vernachlässigung der Gefangenen.

Dokumentationszentrum

Das im Oktober 2007 eröffnete neue Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Lagergelände, ähnlich im Stil erbaut wie das neue Hauptgebäude des Museum zur Geschichte des Holocaust Yad Vashem in Jerusalem, erinnert in seiner eindrucksvollen Architektur an eine große Klagemauer. Durch die Kargheit des Gebäudes lenkt nichts von dem eigentlichen dort Dokumentiertem ab. Mit Unterstützung moderner Medien, im Boden unter Glas eingelassener persönlicher Erinnerungsstücke einzelner Menschen, mit Schrift- und Fotodokumentationen wird gezeigt, zu welchen Ungeheuerlichkeiten Menschen fähig waren. In den Kurzfilmdokumentationen berichten Überlebende und Zeitgenossen von ihren Erinnerungen. Diese Berichte befinden sich wie Kreuzwegstationen rechts und links auf einem im Gebäude ansteigenden Weg, der ins Weite einer Birkenlandschaft führt, die am Ende des Weges unter einem blauen Himmel leuchtet.

Sehr still gingen wir anschließend über das weite Gräberfeld zum Obelisken, der für alle Zeiten von dem Völkermord erzählen soll, von dem was geschah und was in uns wach bleiben muss, damit es sich zu keiner Zeit wiederholt.

Christa Zielke